Die ersten 9 Wochen an meiner American High School

Das Schuljahr hier in Amerika ist in Viertel unterteilt, weshalb man nach jeweils neun Wochen ein ‘Zeugnis’ bekommt. Im Folgenden versuche ich deshalb alles zu reflektieren, was ich in der ersten Zeit in der Schule erlebt habe.

Am Abend bevor meines ersten Schultages war ich ziemlich aufgeregt, meine größte Angst vor dem Auslandsjahr war einfach, keine Freunde zu finden, ein Außenseiter zu sein und niemandem zum Reden zu haben. In der Schule angekommen, musste ich mich also von meinem Gastbruder trennen und meinen Homeroom finden. Zuerst schaute ich also auf eine Liste, die einem sagt, je nachdem mit welchem Buchstaben der Nachname beginnt, zu welchem Raum man gehen muss. Die Klassenzimmer hier sind nämlich nicht einfach Klassenräume, es sind die Zimmer von dem jeweiligen Lehrer, der dort unterrichtet. Als ich den Raum betrat, war zuerst niemand da, also versuchte ich mich mit dem Lehrer, der dort an seinem Tisch saß, zu unterhalten. Er war sehr freundlich und konnte sogar ein paar Sätze auf Deutsch sagen. Mit ihm lief ich noch einmal durch die Schule und er erklärte die grundlegende Struktur des Aufbaus der Schule, damit ich mich an meinem ersten Schultag nicht verirren sollte. Als wir zurück in sein Klassenzimmer gingen, gab er mir meinen Stundenplan und ich sah, dass nun auch schon mehr Schüler sich dort befanden. Weil es dann aber auch direkt klingelte suchte ich mir einfach einen Platz. Die Schule macht jeden Morgen Ansagen für die Schüler über die Lautsprecher. Diese konnte ich in den ersten Wochen meistens gar nicht verstehen. Jedenfalls hörte ich, wie sie von einer Zeremonie sprachen. Doch bevor diese Durchsagen beginnen, werden die Schüler begrüßt und aufgefordert, einen Moment still zu sein und danach aufzustehen. Im Chor sagen dann alle ‘The Pledge of Allegiance’:

“I pledge allegiance to the flag of the United States of America, and to the republic for which it stands, one nation under God, indivisible, with liberty and justice for all.” 

…was so viel heißt wie:

„Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden.“

Nach diesem Ritual beginnt jeder Morgen.

Bald darauf klingelte es und alle im Raum standen auf, um aus dem Klassenzimmer zu gehen. Ich konnte nur vermuten, dass es was mit der Zeremonie zu tun hatte, von der in der Durchsage gesprochen wurde. Glücklicherweise lief ein Mädchen, dass von Anfang an sehr nett schien, direkt hinter mir. Ich fragte einfach, was genau wir jetzt machten und stellte mich ihr vor. Ihr Name ist Morgan und ihr könnt euch nicht vorstellen wie froh ich bin, sie angesprochen zu haben. Durch sie habe ich so viele neue Leute kennengelernt und sie versucht mir immer und überall zu helfen. Morgan jedenfalls erklärte mir, dass wir auf dem Weg zur Bühne waren, um die Knight Ceremony (Ritter Zeremonie) zu schauen. Das Maskottchen meiner Schule ist ein Ritter und deshalb wird jedes Jahr ein Schüler/eine Schülerin zum Ritter geschlagen. Diese Schüler haben immer etwas besonderes an sich: der Ritter dieses Jahres hat Krebs und ihm wird dadurch Unterstützung und Mut zugesprochen. Außerdem hörte ich zum Beispiel von einem Jungen mit Downsyndrom, der auch heute noch am Schulleben teilnimmt und anderen Behinderten hilft. Der Ritter kann aber auch einfach total sportlich sein, vor zwei Jahren wurde ein Mädchen gekürt, da sie fast alle Rekorde, die mit Schnelligkeit und Ausdauer zu tun hatten, brach. Der Schulleiter hielt also eine kleine Rede um alle Schüler zu begrüßen und danach kam der Ritter in Uniform und mit Cheerleadern an seiner Seite auf die Bühne. Die ganze Schule jubelte nachdem der Schulleiter ihn mit einem Schwert zum Ritter geschlagen hatte. Ich blieb stets an der Seite von Morgan, die mir schon am ersten Tag mindestens 10 Leute vorstellte, wofür ich sehr dankbar bin. Nach dieser Zeremonie gingen wir zurück ins Klassenzimmer und unterhielten uns ein wenig. Und dann sollte mein Schultag auch einfach ganz normal beginnen. Ich ging von einer Klasse zu der anderen und hatte so gut wie keine Probleme und mir viel es von Person zu Person leichter, mich einfach vorzustellen und mich mit den Schülern zu unterhalten. Alle waren sehr offen, freundlich und schienen sehr interessiert, was es mir wirklich leicht machte.

Generell kann man sagen, dass Schule hier in den USA sehr viel einfach ist, als in Deutschland. die Fächer, die ich hier habe, sind nicht sonderlich schwer, aber ich habe auch in den Kursen, welche auf College Niveau sind, Einsen. Dies zu erreichen ist jedoch keine große Anstrengung oder besonders außergewöhnlich: Alles, was man tun muss, sind Hausaufgaben und ab und zu lernen. Ich schreibe hier sehr viele Tests und habe jeden Woche mindestens 1 Quiz. Die Antworten sind aber meistens vorgegeben und man muss nur die richtige heraussuchen. Sehr selten muss man etwas selber schreiben oder gar logisch denken.

Meine Schultage gehen hier von 8:20 bis 15:20. In dieser Zeit habe ich Fächer, die 90 Minuten andauern und zwischendurch 30 Minuten Lunch (Mittag). Der Stundenplan ist in A und B Tage unterteilt, die sich immer abwechselnd wiederholen. An A Tagen habe ich im ersten Block Study Hall. Dort sitzt man eigentlich nur in der Cafeteria rum und macht Hausaufgaben, lernt, oder ist einfach an seinem Laptop/Handy, wenn man nichts zu tun hat. So wie ich! Seit einer Woche habe ich jetzt Senior Sleep In. Dies ist ein Privileg, das die Zwölftklässler hier haben. Ich darf nun also erst zum zweiten Block kommen, welcher um 10 Uhr beginnt. Der einzige Nachteil ist, dass ich zur Schule laufen muss, was es mir aber definitiv für mehr Schlaf wert ist! Hätte ich Study Hall als letzten Block eines Schultages, könnte ich die Schule also eher verlassen, dies nennt sich Senior Release.

In meiner High School kann man an sehr vielen Aktivitäten teilnehmen. Die größten Bereiche sind dort ganz klar Clubs und Sports. Ich spiele hier in den USA in der Basketball Varsity Schulmannschaft (dazu mehr wann anders) und bin in dem Club ‘Two Hearts Foundation’. Hier agiere ich als ein Mentor und habe eine jüngere Schülerin (9. Klasse) als mein Mentee. Grundsätzlich haben wir in diesem Club, der vor der Schule stattfindet, einfach Spaß. Manchmal essen wir Pfannkuchen, spielen Spiele oder gehen Pumpkin Picking am Wochenende. Der Club ist nur für Mädchen und ich freue mich schon auf nächste Woche, wenn wir zusammen zum Zumba gehen. Insgesamt ist dieser Club da, um sich gegenseitig zu unterstützen und jüngeren Schülerinnen beim Einfinden in die Schule zu helfen, eigentlich kommen wir aber einfach alle zusammen und quatschen. Für Veterans Day (Feiertag um Soldaten zu danken) haben wir aber zum Beispiel auch kleine Dankekarten für das Militär gebastelt, die unsere Lehrerin verschicken wird.

Ich hoffe dies gibt euch einen kleinen Einblick in mein amerikanisches Schulleben. 🙂

Bis demnächst!

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